
Von diesem Tool sind wir überzeugt und möchten uns dafür aussprechen! Das erste Mal haben wir, im Rahmen unseres Projektes “Die Stadt, mein Kopf und Ich – Neurodivergente Perspektiven in Gestaltungsprozessen”, mit Access Ridern gearbeitet.
Was ist ein Access Rider?
Ein Access Rider ist ein Dokument, mit dem beispielsweise Menschen mit (unsichtbaren) Behinderungen oder chronischen Erkrankungen eigene Zugangsvoraussetzungen und Bedarfe kommunizieren können. Auch für neurodivergente Menschen kann ein Access Rider hilfreich sein.
Diese Art von Dokument kommt eigentlich aus den Darstellenden Künsten und ist mittlerweile zu einem gängigen Instrument geworden, das Menschen sowohl im beruflichen als auch privaten Kontext nutzen, um andere über ihre Bedarfe aufzuklären. So hat beispielsweise die Künstlerin Alison Larkman, die ME/CFS-Patientin ist, sowohl einen Access Rider für ihr berufliches Umfeld als auch einen für Freund*innen und Familie veröffentlicht: https://www.accessdocsforartists.com/examples
Wir haben selber einen Access Rider als Vorlage erstellt, der folgendermaßen aufgebaut ist:
Allgemeines (Selbstbeschreibung, ggfs. Art der Behinderung oder Erkrankung, weitere Bedarfe),
Physischer Zugang zu Veranstaltungen & Orten,
Digitale & hybride Beteiligung,
Technische & sensorische Anforderungen,
Soziale Gestaltung & Beteiligung,
Inhaltliche & organisatorische Zugangsbedingungen,
Notfall- & Sicherheitsvorsorge.
Jede Kategorie ist mit Beispielen gefüllt, die angepasst, gelöscht oder ergänzt werden können. Der Access Rider liegt als Word-Dokument vor und ist für bessere Navigation reduziert gestaltet.
Was ist ein Access Rider nicht?
In unserem Projekt war uns in der Kommunikation mit den Teilnehmenden besonders wichtig, deutlich zu machen, wozu und wie wir den Access Rider einsetzen; Hier geht es ausdrücklich nicht darum, Einblick in Diagnosen oder Erkrankungen zu bekommen. Teilnehmende teilen so viel oder wenig, wie sie möchten, und müssen Bedarfe nicht begründen. Das Dokument bleibt absolut vertraulich und freiwillig.
Zusätzlich zum Dokument haben wir den Teilnehmenden im Prozess immer wieder Einzelgespräche (digital oder in Präsenz) angeboten. Hier ging es um ein erstes Kennenlernen, darum, das Projekt und unsere Rolle zu erklären und gegebenenfalls anhand des Access Riders über Zugangsbedarfe zu sprechen. Wir haben gemerkt, dass teilweise vorab viel Gesprächsbedarf über diese verschiedenen Themen bestand – die Einzelgespräche waren also eine ganz wichtige Vorarbeit.

Du bist selber Facilitator*in oder Veranstalter*in?
Es ist gut möglich, dass du mit einer betroffenen Person zu tun hast, die einen eigenen Access Rider mitbringt. Allerdings liegt immer noch viel zu oft die Verantwortung für Zugänglichkeit und Barrierefreiheit bei den Betroffenen, statt bei den Veranstaltenden. Wir ermutigen daher: Initiiere selber das Gespräch über Zugangsvoraussetzungen und Barrierefreiheit. Frage Personen, mit denen du zusammenarbeiten möchtest, ob sie einen Access Rider haben. Falls nicht, kannst du ihnen eine Vorlage schicken (beispielsweise unsere), die sie nutzen können.
Was wir außerdem vorschlagen: Eine Zugangserklärung – ähnlich wie die Barrierefreiheitserklärung auf der Website – in der beschrieben ist, wie Projekt und Veranstaltung geplant sind, was barrierefrei gestaltet ist und was nicht. Und, wie mit individuellen Anforderungen umgegangen wird und an wen man diese kommunizieren kann. So ein Dokument kann direkt am Anfang der Zusammenarbeit verschickt werden und eröffnet den Diskurs. Denn wenn du zeigst, dass du Inklusion und Barrierefreiheit mitdenkst, fühlen sich betroffene Personen viel eher ermutigt und eingeladen, ihre individuellen Bedarfe mit dir zu teilen.
Unser Access Rider zum Download
Unser Access Rider ist lediglich eine Vorlage und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Fühl dich frei, ihn für deine Zwecke anzupassen. Feedback zum Access Rider nehmen wir jederzeit gerne an. Meld dich dazu per Mail bei moin@koralle.design.
Hier kannst du den Access Rider als Word-Dokument herunterladen.
Weiterführende Infos zum Thema und mehr Beispiele für Access Rider findest du hier: https://diversity-arts-culture.berlin/magazin/access-rider